Signiertermin mit Mawil

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Diesen Freitag am 12.03.10 signiert
 
Mawil
 
(Wir können ja Freunde bleiben, Action Sorgenkind, Die Band)
 
von 16 bis 18 Uhr bei uns im Laden.

Ein Termin, den man sich nicht entgehen lassen sollte.


Eine Besprechung seiner Graphic Novel „Wir können ja Freunde bleiben“ findet Ihr hier:
http://t3ffm.com/2010/03/05/uber-gescheiterte-beinahe-beziehungen/

Bitte gebt uns per email Bescheid, ob Ihr kommen könnt.
Wir legen auch gerne ein signiertes Buch für Euch zurück.

Auf der Suche nach der Essenz

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Der kleine Prinz: Nach der Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry

Ein Pilot muss mit seinem Flugzeug in der Wüste notlanden. Da sein Wasservorrat knapp bemessen ist, hat der Pilot einen gewissen Zeitdruck, seine Maschine zu reparieren. Nachdem er eingeschlafen ist, wird er von einer Stimme geweckt. Es handelt sich um einen Jungen, der sich als Prinz vorstellt und er ebenso auf der Erde gelandet ist. Er stammt von einem Asteroiden, er so klein ist, dass sie ihn auf einer Sternenkarte kaum ausfindig machen können.

Der Prinz hatte seinen Asteroiden vor Liebeskummer wegen einer Rose verlassen. Auf seiner Reise durchs All begegnete er einem König, der einsam auf einem Planeten regierte, einem eingebildeten Menschen, der den Applaus des kleinen Prinzen begehrte, einem Trinker, der trank, weil er sich schämte, dass er trank, einen Nachtwächter, der nach einer Vorschrift das Feuer seiner Laterne entfachte oder löschte und einen Geografen, der eine Karte der Sterne zeichnete und der dem kleinen Prinzen die Erde empfahl.

Auf der Erde angekommen suchte der kleine Prinz in der unbewohnten Wüste lange nach Menschen, bevor er den Piloten fand. Dabei traf er zunächst auf eine Schlange, Rosen am Wegesrand, was ihm zunächst verdeutlichte, dass die Rose auf seinem Asteroiden nicht einzigartig ist und einem Fuchs, der ihm beibrachte, ihn zu zähmen.

Der Pilot und der kleine Prinz freunden sich immer mehr an. Gemeinsam finden sie einen Brunnen, dessen Wasser dem Piloten das Überleben ermöglicht.

Der Pilot warnt den kleinen Prinzen vor der Schlange und ihrem Gift, aber der kleine Prinz weiß, dass er sie aufsuchen muss, um sich seines zu scheren Körpers zu entledigen, um dann nach Hause zurückkehren zu können.

 Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupèry ist ohne Frage ein Stück Weltliteratur, so dass man als Leser gespannt und vielleicht auch ein wenig skeptisch sein darf, ob es Joann Sfar gelingt, den Charme dieser Erzählung in das Medium Comic zu transportieren. Doch schon nach den ersten Seiten erkennt man rasch, dass Sfar dies gelungen ist.

Natürlich hat er die Erzählung für seinen Comic ein wenig gekürzt. So ist besonders die Reise des kleinen Prinzen durch das All etwas kürzer ausgefallen als das dies im Original der Fall ist. Dabei geht Sfar aber zielsicher auf die wesentlichen Stationen der Reise ein, die die Handlungen der Erwachsenen Kritisieren. So regiert der König um des Regierens Willen, der Trinker bewegt sich in einer ewigen Schleife aus Scham und Alkohol und der Geograf skizziert Karten, aber wartet gleichzeitig auf Beweise, die man ihm vorzulegen hat. Nur der Nachtwächter, der eine nicht mehr einschlägige Vorschrift beachtet, ist dem kleinen Prinzen sympathisch, denn er ist der einzige, dessen Handeln kein Selbstzweck ist.

Fehlen darf natürlich auch nicht die zentrale Aussage der Erzählung:“ Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“

Auf der Suche nach dem Wesentlichen befindet sich der kleine Prinz und erst nach dieser Lektion erkennt er, warum seine Rose auf seinem Asteroiden eben doch einzigartig ist. Sie wurde von ihm gegossen.

Sfar bleibt eng am Original und zeigt nicht, wie die Schlange den kleinen Prinzen beißt und so tötet.

Es ist und bleibt umstritten, ob Antoine de Saint-Exupèry, der 1944 von der Insel Korsika startete und von diesem Flug nicht mehr zurückkehrte, so seinen eigenen Selbstmord ankündigte oder ob sein letzter Flug mit einem Unfall endete. Unabhängig hiervon gilt der kleine Prinz als seine persönlichste Erzählung, denn wie auch seinem Helden war es de Saint-Exupèry aus Selbstzweck zu handeln. Der Dienst am Menschen war ihm immer wichtig.

Und genau das stellt Sfar mit seiner Comic Adaption deutlich heraus. Die Zeichnungen wirken ein wenig kindlich naiv, was aber der Sichtweise des kleinen Prinzen angepasst ist und wohl auch der einzig denkbare Stil ist, um den kleinen Prinzen für die Neunte Kunst zu adaptieren.

Völlig zu recht deklariert Carlsen diesen Comic als Graphic Novel. Leider vermisst man als Leser ein Kurzportrait über Sfar, den der eine oder andere Sammler vielleicht von seiner Zusammenarbeit mit Lewis Trondheim bei Donjon kennt, oder gar Antoine de Saint-Exupèry.

Unabhängig hiervon habe ich nach dem Lesen des Comics nach langer Zeit mal wieder meine Taschenbuchausgabe vom kleinen Prinzen herausgesucht. Ein größeres Kompliment kann ich Joann Sfar kaum machen. 

Der kleine Prinz, Carlsen, 110 Seiten, HC, € 14,90

Über geistige Freiheit

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Kleiner Vogel rot 

kleiner vogel rot

 In einem totalitären System sitzt Mari in einer Gefängniszelle. Sie erfährt, dass sie am nächsten Tag hingerichtet werden soll. Sie erinnert sich an ihren Freund Juri und an die Zeit, bevor das Oberste Gremium die Macht ergriffen hat und das Leben noch leicht und unbeschwert war.

Als Juris Onkel, der verbotene Musik unter die Leute gebracht hat, vom Obersten Gremium verschleppt wird und Mari ein Graffiti sieht, wird in ihr endgültig die Idee zum Widerstand geweckt. Sie verfasst Schriften, die den Slogan des Graffiti „Was wäre, wenn..“ aufgreift und zum Titel hat. Mari gelingt es, Kontakt zum Widerstand aufzubauen und ihre Schriften sogar in der Lexikothek zu verteilen.

Doch der Geheimdienst des Obersten Gremiums verrichtet seine Arbeit. Die Widerstandsgruppe und Mari werden verhaftet.

Als ein Priester zu ihr kommt, bleibt Mari entschlossen und bittet nicht um Vergebung. Sie ist nun entschlossen, dem Tod ins Auge zu sehen. Die endgültige geistige Freiheit erlangt sie, als sie einen kleinen roten Vogel sieht.

In regelmäßig unregelmäßigen Abständen veröffentlicht der Zwerchfell Verlag Comics, die die Leserschaft immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise ansprechen.

Der vorliegende Band handelt von einer jungen Frau, Mari, die in einem unantastbaren, unüberwindlichen totalitären System lebt. Nachdem ihr Onkel von Agenten des Systems verhaftet und verschleppt wurde, sucht sie den Widerstand, um sich ihm anzuschließen. Neben dem traumatischen Erlebnis des verschwundenen Onkels machen Mischitz und Bünte diese Charakterentwicklung an einer Zufälligkeit fest, die Mari erlebt. Sie sieht ein Graffiti des Widerstands, der ihre kreative Ader anspricht. Nicht nur an dieser Stelle versteht es Veronika Mischitz ihrer Heldin eine besondere Mimik zu verleihen. Gerade diese Momente lassen den Leser immer wieder etwas länger an und in den Panels verweilen. Hinzu kommt auch die Körpersprache der Heldin, mit der ihre Gefühle wie Mut, Wut, Liebe, Verzweiflung, aber auch Entschlossenheit zum Leser transportiert werden.

Maris Umwelt definiert sich aus der Mitte zwischen 1984, Schöne neue Welt oder auch V wie Vendetta. Bünte bedient sich einzelner Elemente dieser Werke und hat sie für seine Kurzgeschichte neu zusammengesetzt, die wiederum von Veronika Mischitz mit großer Sensibilität für die Neunte Kunst umgesetzt wurden.

So bleiben die Agenten des Kollektivs immer anonym und sind weder für die Leser noch für Mari erkennbar. Beklemmend ist darüber hinaus, dass man weder als Leser noch Mari erfährt, wie sie überhaupt verraten wurde oder gar durch wen. Auch hier sind in den entscheidenden Panels keine Gesichter zu sehen, was die Allgegenwart des Kollektivs und ihrer Agenten erahnen lässt.

Christopher Bünte hat die Vorlage für diesen Comic im Rahmen eines Schreibwettbewerbs mit dem Thema „Zeichen“ erdacht und geschrieben. So findet man als Leser Zeichen oder Symbole mal mehr, mal weniger offensichtlich im vorliegenden Comic. Im schwarz-weiß gehaltenen Artwork hebt sich am Ende der Story der kleine rote Vogel deutlich ab. Er symbolisiert nicht zuletzt Maris geistige Freiheit, die das Regime, das interessanterweise auch Kirche und Politik wie in einer Diktatur oder auch im Feudalsystem nicht unüblich verbindet, nie einschränken konnte. Auch ihre Liebe zu Juri nimmt eine zentrale Position ein, so dass Freiheit und Liebe auch von einem noch so perfekten und totalitären System nicht dauerhaft eingeschränkt werden kann.

Der vorliegende Band weist viel Talent am Bleistift und im Erzählen einer Geschichte auf. Ich halte den kleinen Vogel rot für absolut preisverdächtig.

Zwerchfell hat den Comic als Hardcover in einer ansprechenden Optik mit ansprechendem Zusatzmaterial veröffentlicht. Genauso präsentiert man heutzutage einen Comic auf dem deutschen Markt.

Kleiner Vogel Rot, Zwerchfell Verlag, HC, 88 Seiten, € 14

Über gescheiterte „beinahe“ Beziehungen

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Markus erzählt in einer trinkseeligen Runde mit Freunden über seine erste große, unerfüllte Liebe aus der Kindheit, für die er sogar regelmäßig in die Kirche ging und noch mehr auf sich nahm, nur um sie zu sehen.

Für seine nächste Liebe als Jugendlicher nahm er sogar an einem Origamikurs teil und engagierte Katharina als Verkupplerin, die für ihn herausfand, wann sie Geburtstag hat. Doch auch die überreichten Blumen öffneten nicht ihr Herz. Sie schlug ihm lediglich vor, dass sie ja Freunde bleiben könnten.

Seine dritte Liebe lernte Markus am Ende einer Fahrradtour beim Camping kennen. Am letzten Abend fanden sie endlich Zeit für sich allein und zogen sich in ihr Zelt zurück. Während Markus noch darüber nachdachte, ob und wie er „zur Sache kommen“ sollte, langweilte sich das Mädchen und verließ genervt das Zelt.

Als Student verbrachte er seine Semesterferien in einem verlassenen Plattenbau. Dort trafen sich Studenten aus vielen Ländern. Markus lernte eine Spanierin kennen, in die er sich verliebte und mit der er im Laufe des Sommers viel Zeit verbrachte. Dabei hatten sie viel Spaß miteinander und ein Freund machte ihn darauf aufmerksam, wie nahe sie sich doch gekommen waren und dass sie sich trotz sprachlicher Barrieren doch bestens verstanden. Auf der großen Abschlussparty kamen sie sich näher, aber nicht so nah, wie es Markus gerne gehabt hätte. Schließlich erklärte ihm die Spanierin im gebrochenen Englisch, dass sie ihn zwar mochte, aber nichts von ihm wollte.

Mit der vorliegenden Story erzählt Mawil von dem glücklosen Markus, der es einfach nicht versteht, bei den Mädchen zu landen. Dabei geht der Autor auf vier Stadien vom kleinen Jungen bis hin zum Studenten ein. Herrlich schildert er dabei den inneren Zwist seines Protagonisten, der seinem jeweiligen Schwarm nah sein möchte, was ihm auch durchweg gelingt, ohne jedoch je zum Ziel zu gelangen. Was immer er auch beginnt, kann er nicht zum passenden Ende bringen.

Die Gründe hierfür sind immer ein wenig unterschiedlich und haben doch eine Gemeinsamkeit. Die Mädchen, in die er sich verliebt hat, wollen einfach nichts von ihm, außer Freunde bleiben. Dabei variieren die Gründe für seine gescheiterten Versuche immer ein wenig und insbesondere bei dem Mädchen, das er beim Camping kennenlernt. Sie war ja durchaus interessiert, bis sie zu dem Schluss kommen musste, dass Markus einfach nicht den ersten Schritt unternimmt. Dabei bereitet gerade die unterschiedliche Wahrnehmung der Szene im Zelt von Markus und dem Mädchen höchstes Lesevergnügen.

Konsequent wächst mit den gescheiterten Versuchen auch der Liebeskummer des Helden, den es als Student natürlich vor Liebeskummer sogar ins Bett verschlägt.

Mawil bedient sich in seiner Erzählung einer Rahmenstory, in der in einer feucht fröhlichen Runde Markus sein gescheitertes Werben, das dann jeweils als Flashback erzählt wird, zum Besten geben muss.

So lebt die Handlung nicht nur von den vielen witzigen und skurrilen Momenten, die Mawil seinen Held er- und durchleben lässt, sondern auch von den spritzigen Dialogen, die aus dem wahren Leben gegriffen sind. Dabei werden diese Dialoge teilweise nicht zum Ende geführt oder eine Figur kommt auch mal nicht zu Wort. Auch solche Situationen kann man mühelos im Alltag erleben und beobachten.

Die abgeschlossene Erzählung, die mit ihren ganz speziellen Dialogen und dem konsequent nicht eintretenden Happy End eigene Maßstäbe setzt, ist als Graphic Novel zu bezeichnen, die in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte.

Wir können doch Freunde bleiben, Reprodukt, 65 Seiten, SC, 10 €

Graphic Novel Vorschau 2010

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Atrium
Mimi Welldirty: Immy and the City – Depresso to go
 
Avant
David B.: Auf Dunklen Wegen
Guibert & David B.: Kapitän Scharlach
 
Carlsen
Flix: Faust
Taniguchi: Ein Zoo im Winter
Harder: Alpha – Directions
Prudhomme & Rabate: Plastik Madonna
Jacobson & Colon: Anne Frank
Diverse: Bob Dylan 13 Songs
 
Cross Cult
Schreuder & Mertikat: Jakob

Mouse Guard 2 

Edition Moderne
Emmanuel Guibert: Alans Krieg
Thomas Ott: R. I. P. Best Of 1985 – 2004
Isabelle Pralong: Der Elefant
 
Edition 52
Alex Robinson:Unvergessene Zeiten
Oesterle: Hector Umbra Luxusedition
Jeff Lemire: Essex Country
 
Ehapa
Prado: Der tägliche Wahn Gesamtausgabe
 
Eichborn
The Hunter
 
Panini
Miller & Gibbons: Martha Washington
Moore & O’Neill: Liga der außergewöhnlichen Gentlemen – 1910
Stephen King u.a.: The Stand
O’Malley: Scott Pilgrim 1 & 2
Neil Gaiman Bibliothek 5 – Mordmysterien
 
Reprodukt
Bellstorf: Baby’s in black
Yelin: Gift

Vivès: Der Geschmack von Chlor
Gallardo: Maria und Ich
Prudhomme: Rebetiko
Martina Lenzin: Rpm
 
Schreiber und Leser
Jeronimus 2
 
Splitter Verlag
Alice im Wunderland
Der letzte Mohikaner
Die Welt von Lucie 2
Schultheiß: Die Reise mit Bill

Über die Andersartigkeit

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Mit „Insekt“ hat Sascha Hommer 2006 ein eindrucksvolles Debüt vorgelegt.

 Handlung: Pascal und Dennis leben in einer Stadt, in der es aufgrund von erhöhten Produktionsaufkommens sehr viel dichten Rauch gibt. Pascal ist sehr beliebt in seiner Klasse und wird folglich zum Klassensprecher gewählt. Er interessiert sich für die Gegend außerhalb der Stadt, wo es keinen Rauch geben soll und die Insekten leben. Seine Mutter besucht dort regelmäßig ihre Schwester und nimmt ihn mit. Pascal ist überrascht, dass die Insekten tatsächlich leben und kein Märchen sind. Er freundet sich mit seinem Cousin an, er ihm einen Drachen schenkt.

Als er wieder zurückgekehrt ist, zeigt ihm ein Mädchen eine versteckte Höhle, an dessen Ende s ebenso keinen Rauch gibt. Als sie dort angekommen sind, erschrickt das Mädchen vor Pascals Aussehen, denn er ist ein Insekt. Nachdem sich dies in der Schule herumgesprochen hat, verändert sich Pascals Welt. Er ist plötzlich unbeliebt, wird als Klassensprecher abgewählt und von allen verstoßen und gehänselt. Schließlich wird er auch der Schule verwiesen, was die Eltern dazu bewegt, umziehen zu wollen.

Abends lässt Pascal seinen Drachen steigen. Dabei wird er von seinen ehemaligen Mitschülern überfallen. Sie fesseln ihn an einen Baum. Dort gesteht in einem unbeobachteten Moment ein Mädchen Pascal, dass sie ihn liebt. Pascal kann sich befreien und verlässt mit seiner Mutter vorläufig die Stadt. Bei seinem Cousin, Sven, kann er wieder unbeschwert leben und lernt sogar zu fliegen.

Fazit: Mit Insekt legt Sascha Hommer eine sehr symbolträchtige Story vor. So steht der Rauch, der in der Stadt das Leben bestimmt, für die Hektik, die Betriebsamkeit und alles Andere, was die Stadt ausmacht. Ohne Taschenlampe können sich die Menschen nicht oder kaum orientieren und können auch daher nur dem schmalen Lichtschein der Taschenlampe folgen. Der Blick links und rechts davon bleibt ihnen verwährt. Dieses Geschehen verdeckt der Rauch. So entsteht zwangsläufig eine gewisse Uniformität in einer beklemmenden Atmosphäre, der sich die Menschen nur allzu bereitwillig unterwerfen.

Pascal ist ein beliebter und akzeptierter Mitschüler, bis ein Mädchen erkennt, dass er ein Insekt, also andersartig, ist. Plötzlich verkehrt sich alles, was ihn ausgemacht hat, ins Gegenteil. Mitschüler und Schule verstoßen ihn. Er wird vertrieben, denn seine Andersartigkeit wird als eine Art Abartigkeit betrachtet. Dabei unterscheidet Hommer kaum zwischen Kindern, die ja bekanntlich grausam sein können, und Erwachsenen, für die die Schule steht. Sein Dasein als Insekt selbst steht für alles, womit Menschen ausgegrenzt werden können, sei es Religion, Sexualität oder Hautfarbe.

Erst bei seinem Cousin und seiner Tante fühlt sich Pascal wieder befreit. Dabei steht das Fliegen für seine neu gewonnene Unbekümmertheit und Freiheit.

Sein Cousin ist begeisterter Fan des Insektmannes, einer Art Superman der Insekten, der die Funktion eines Idols hat und somit für die Hoffnung steht.

Erstaunlich ist, wie es Hommer in seiner beachtlichen Erzählung gelingt, die kindliche Perspektive und die damit verbundene Naivität seines Helden mit einer klaren und zutreffenden Beobachtungsgabe zu verbinden. So stellt Insekt nicht nur einen beliebigen Comic dar, sondern eine Graphic Novel die seinen Lesern neben aller Unterhaltung auch den einen oder anderen Denkanstoß geben wird. 

Insekt, Reprodukt, 127 Seiten, SC (Taschenbuchformat), 10 €

Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen

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Handlung: Jean begeht seinen ersten Schultag. Seine Mitschüler kennt er nicht, da er an einem anderen Ort in den Kindergarten gegangen ist. Alain, einem Klassenkameraden, ergeht es ähnlich. Sie freunden sich an. Jean wird nervös, als er sich und den Beruf seiner Eltern vorstellen muss, aber er bewältigt diese Aufgabe. Nach der Schule wird Jean von Yvette an der Schule abgeholt. Es ist sein Kindermädchen und das seines jüngeren Bruders. Ihr Vater ist Chef einer Fabrik und kommt spät nah Hause. Beim Abendessen erinnert ihn Yvette an Jeans ersten Schultag. Das Mädchen aus der Nachbarschaft heißt Michele. Eigentlich dürfen sie nicht miteinander spielen. Sie tun es dennoch hin und wieder. Dabei liest Michele Jean eine Postkarte seiner Mutter aus Spanien vor. Jean verbringt einen Nachmittag bei Alain, der von seinen Eltern adoptiert wurde. Zu Jeans Überraschung sitzt Alains Vater in einem Rollstuhl und bemalt Zinnsoldaten. Alains Mutter kümmert sich um den Haushalt. In der Schule gilt Jean als Außenseiter, weil weder Fußball noch Murmel spielen seine Stärken sind. Außerdem darf er zuhause kein TV schauen und kann daher nicht in den Pausengesprächen mitreden. Jean und sein Bruder Paul besuchen ihre Großeltern. Dies tun sie äußerst ungern, weil ihre Großmutter eine schlechte Köchin ist und ihr Großvater Schweißfüße hat. Außerdem mögen sie die Freundinnen ihrer Großmutter nicht. Jean ist besorgt, als sie von ihrer Klassenlehrerin den Schulpsychologen vorgestellt bekommen. Er hat vor dem bärtigen Mann Angst. Seine Angst wächst, als er zu ihm in die Sprechstunde gerufen wird. Auch Paul hat Sehnsucht nach ihrer Mutter. Eines Nachts kann Jean nicht schlafen und beobachtet seinen Vater beim Fernsehen. Am nächsten Tag kann er in der Schule ausnahmsweise mitreden. Am Nachmittag liest ihm Michele eine weitere Postkarte seiner Mutter vor und wird dabei von ihrem Vater erwischt, der sie unsanft zurück ins Haus holt. Dabei vergisst sie die Postkarte, die Jean unter seinem Kopfkissen versteckt. Jean und Paul werden von ihrem Vater aufgefordert, ihre Wunschzettel zu schreiben. Die Brüder beschließen, den Weihnachtsmann zu fotografieren und lauern ihm auf. Als sie ihn fotografieren wollen, erschrecken sie vor dem Blitz so, dass sie die Augen schließen. Sie staunen, als dann ihr Vater vor ihnen steht. Natürlich ist das Polaroid Foto verwackelt. Lediglich die Schuhspitze ihres Vaters ist darauf zu sehen. Jean versteckt das Foto unter seinem Kopfkissen. Am nächsten Tag haben Michele und Jean Streit. Dabei sagt ihm Michele, dass seine Mutter tot ist und dass sie die Postkarten erfunden hat. Jean streitet das ab.

Fazit: Mit dem vorliegenden Band legen Regnaud und Bravo ein kleines, feines Meisterwerk vor. Die Autoren schildern einen typischen ersten Schultag eines Erstklässlers und dies mit allen Sorgen. Dies beginnt mit der Suche nach einem Freund und endet mit der Vorstellung des Berufs seiner Mutter, über die er eigentlich nichts weiß. Die Rolle der Mutter hat längst Yvette, das Kindermädchen, eingenommen. Jean mag sie, weil sie so gut kocht und es versteht, einen leckeren Kakao zuzubereiten. Dies sind natürlich Äußerlichkeiten, wie sie ein Junge in Jeans Alter angeben würde. Tatsächlich hat er Yvette längst als Mutter akzeptiert und sagt ihr dies auch in einem der vielen emotionalen Momente dieser Story. Früh dürfte der Leser erkennen, dass nicht mit einer Rückkehr von Jeans Mutter zu rechnen ist. Dabei ist es anfangs noch unklar, ob sie gestorben ist oder ihre Familie verlassen hat. Im Laufe der Handlung erkennt man als Leser aber rasch, dass sie verstorben ist, weil sie zumindest andeutungsweise von sämtlichen Nebencharakteren als äußerst positiv dargestellt wird und sowohl Jean als auch Paul immer wieder bedauert werden. Wunderbar gelungen ist auch die Schilderung der Besuche aus Sicht Jeans. Der unangenehmen Atmosphäre beim Besuch der eigenen Großeltern, die Jean an den mangelnden Kochkünsten der Großmutter und den Schweißfüßen des Großvaters sowie an den Freundinnen seiner Großmutter festmacht, steht der entspannte Besuch bei der Großmutter väterlicherseits gegenüber, bei der sie sogar fernsehen dürfen. Auch das harmonische Elternhaus seines Freundes Alain spielt eine nicht unwichtige Rolle, denn Jean lernt, dass sich ein Junge auch bei Adoptiveltern wohl fühlen kann. Eine zentrale Rolle nimmt der Abschnitt um den Schulpsychologen ein. Jean möchte ihm eigentlich nichts erzählen, aber er tut es im Gespräch und während des Rorschachtests dennoch und flüchtet sich schließlich während des Gesprächs über seine Mutter in eine abenteuerliche Geschichte. Bereits beim Vorlesen der ersten Postkarte wird klar, dass die Texte von Michele erfunden sind, denn ein Erwachsener würde sich nicht so ausdrücken. Erst im Streit zwischen den Kindern offenbart Michele Jean, dass sie die Postkarten erfunden hat. Typisch für Jean und sein vollkommen unterentwickeltes Verhältnis zu seinem Vater ist, dass er ihm nicht den wahren Grund für den Streit erzählt. Ebenso wagt es sein Vater offenbar nicht, seinen Söhnen zu sagen, dass ihre Mutter verstorben ist. Damit greifen Regnaud und Bravo bei aller erzählerischer Leichtigkeit ein heißes Eisen an. Ihnen gelingt es dabei, eine Comicerzählung mit Anspruch vorzulegen, so dass Carlsen völlig zu Recht diesen Comic als Graphic Novel auszeichnet.

Emile Bravo & Jean Regnaud: Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen, Carlsen Comics, 120 Seiten, HC, 17,90 €