Über gescheiterte „beinahe“ Beziehungen

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Markus erzählt in einer trinkseeligen Runde mit Freunden über seine erste große, unerfüllte Liebe aus der Kindheit, für die er sogar regelmäßig in die Kirche ging und noch mehr auf sich nahm, nur um sie zu sehen.

Für seine nächste Liebe als Jugendlicher nahm er sogar an einem Origamikurs teil und engagierte Katharina als Verkupplerin, die für ihn herausfand, wann sie Geburtstag hat. Doch auch die überreichten Blumen öffneten nicht ihr Herz. Sie schlug ihm lediglich vor, dass sie ja Freunde bleiben könnten.

Seine dritte Liebe lernte Markus am Ende einer Fahrradtour beim Camping kennen. Am letzten Abend fanden sie endlich Zeit für sich allein und zogen sich in ihr Zelt zurück. Während Markus noch darüber nachdachte, ob und wie er „zur Sache kommen“ sollte, langweilte sich das Mädchen und verließ genervt das Zelt.

Als Student verbrachte er seine Semesterferien in einem verlassenen Plattenbau. Dort trafen sich Studenten aus vielen Ländern. Markus lernte eine Spanierin kennen, in die er sich verliebte und mit der er im Laufe des Sommers viel Zeit verbrachte. Dabei hatten sie viel Spaß miteinander und ein Freund machte ihn darauf aufmerksam, wie nahe sie sich doch gekommen waren und dass sie sich trotz sprachlicher Barrieren doch bestens verstanden. Auf der großen Abschlussparty kamen sie sich näher, aber nicht so nah, wie es Markus gerne gehabt hätte. Schließlich erklärte ihm die Spanierin im gebrochenen Englisch, dass sie ihn zwar mochte, aber nichts von ihm wollte.

Mit der vorliegenden Story erzählt Mawil von dem glücklosen Markus, der es einfach nicht versteht, bei den Mädchen zu landen. Dabei geht der Autor auf vier Stadien vom kleinen Jungen bis hin zum Studenten ein. Herrlich schildert er dabei den inneren Zwist seines Protagonisten, der seinem jeweiligen Schwarm nah sein möchte, was ihm auch durchweg gelingt, ohne jedoch je zum Ziel zu gelangen. Was immer er auch beginnt, kann er nicht zum passenden Ende bringen.

Die Gründe hierfür sind immer ein wenig unterschiedlich und haben doch eine Gemeinsamkeit. Die Mädchen, in die er sich verliebt hat, wollen einfach nichts von ihm, außer Freunde bleiben. Dabei variieren die Gründe für seine gescheiterten Versuche immer ein wenig und insbesondere bei dem Mädchen, das er beim Camping kennenlernt. Sie war ja durchaus interessiert, bis sie zu dem Schluss kommen musste, dass Markus einfach nicht den ersten Schritt unternimmt. Dabei bereitet gerade die unterschiedliche Wahrnehmung der Szene im Zelt von Markus und dem Mädchen höchstes Lesevergnügen.

Konsequent wächst mit den gescheiterten Versuchen auch der Liebeskummer des Helden, den es als Student natürlich vor Liebeskummer sogar ins Bett verschlägt.

Mawil bedient sich in seiner Erzählung einer Rahmenstory, in der in einer feucht fröhlichen Runde Markus sein gescheitertes Werben, das dann jeweils als Flashback erzählt wird, zum Besten geben muss.

So lebt die Handlung nicht nur von den vielen witzigen und skurrilen Momenten, die Mawil seinen Held er- und durchleben lässt, sondern auch von den spritzigen Dialogen, die aus dem wahren Leben gegriffen sind. Dabei werden diese Dialoge teilweise nicht zum Ende geführt oder eine Figur kommt auch mal nicht zu Wort. Auch solche Situationen kann man mühelos im Alltag erleben und beobachten.

Die abgeschlossene Erzählung, die mit ihren ganz speziellen Dialogen und dem konsequent nicht eintretenden Happy End eigene Maßstäbe setzt, ist als Graphic Novel zu bezeichnen, die in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte.

Wir können doch Freunde bleiben, Reprodukt, 65 Seiten, SC, 10 €

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