Auf der Suche nach der Essenz

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Der kleine Prinz: Nach der Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry

Ein Pilot muss mit seinem Flugzeug in der Wüste notlanden. Da sein Wasservorrat knapp bemessen ist, hat der Pilot einen gewissen Zeitdruck, seine Maschine zu reparieren. Nachdem er eingeschlafen ist, wird er von einer Stimme geweckt. Es handelt sich um einen Jungen, der sich als Prinz vorstellt und er ebenso auf der Erde gelandet ist. Er stammt von einem Asteroiden, er so klein ist, dass sie ihn auf einer Sternenkarte kaum ausfindig machen können.

Der Prinz hatte seinen Asteroiden vor Liebeskummer wegen einer Rose verlassen. Auf seiner Reise durchs All begegnete er einem König, der einsam auf einem Planeten regierte, einem eingebildeten Menschen, der den Applaus des kleinen Prinzen begehrte, einem Trinker, der trank, weil er sich schämte, dass er trank, einen Nachtwächter, der nach einer Vorschrift das Feuer seiner Laterne entfachte oder löschte und einen Geografen, der eine Karte der Sterne zeichnete und der dem kleinen Prinzen die Erde empfahl.

Auf der Erde angekommen suchte der kleine Prinz in der unbewohnten Wüste lange nach Menschen, bevor er den Piloten fand. Dabei traf er zunächst auf eine Schlange, Rosen am Wegesrand, was ihm zunächst verdeutlichte, dass die Rose auf seinem Asteroiden nicht einzigartig ist und einem Fuchs, der ihm beibrachte, ihn zu zähmen.

Der Pilot und der kleine Prinz freunden sich immer mehr an. Gemeinsam finden sie einen Brunnen, dessen Wasser dem Piloten das Überleben ermöglicht.

Der Pilot warnt den kleinen Prinzen vor der Schlange und ihrem Gift, aber der kleine Prinz weiß, dass er sie aufsuchen muss, um sich seines zu scheren Körpers zu entledigen, um dann nach Hause zurückkehren zu können.

 Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupèry ist ohne Frage ein Stück Weltliteratur, so dass man als Leser gespannt und vielleicht auch ein wenig skeptisch sein darf, ob es Joann Sfar gelingt, den Charme dieser Erzählung in das Medium Comic zu transportieren. Doch schon nach den ersten Seiten erkennt man rasch, dass Sfar dies gelungen ist.

Natürlich hat er die Erzählung für seinen Comic ein wenig gekürzt. So ist besonders die Reise des kleinen Prinzen durch das All etwas kürzer ausgefallen als das dies im Original der Fall ist. Dabei geht Sfar aber zielsicher auf die wesentlichen Stationen der Reise ein, die die Handlungen der Erwachsenen Kritisieren. So regiert der König um des Regierens Willen, der Trinker bewegt sich in einer ewigen Schleife aus Scham und Alkohol und der Geograf skizziert Karten, aber wartet gleichzeitig auf Beweise, die man ihm vorzulegen hat. Nur der Nachtwächter, der eine nicht mehr einschlägige Vorschrift beachtet, ist dem kleinen Prinzen sympathisch, denn er ist der einzige, dessen Handeln kein Selbstzweck ist.

Fehlen darf natürlich auch nicht die zentrale Aussage der Erzählung:“ Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“

Auf der Suche nach dem Wesentlichen befindet sich der kleine Prinz und erst nach dieser Lektion erkennt er, warum seine Rose auf seinem Asteroiden eben doch einzigartig ist. Sie wurde von ihm gegossen.

Sfar bleibt eng am Original und zeigt nicht, wie die Schlange den kleinen Prinzen beißt und so tötet.

Es ist und bleibt umstritten, ob Antoine de Saint-Exupèry, der 1944 von der Insel Korsika startete und von diesem Flug nicht mehr zurückkehrte, so seinen eigenen Selbstmord ankündigte oder ob sein letzter Flug mit einem Unfall endete. Unabhängig hiervon gilt der kleine Prinz als seine persönlichste Erzählung, denn wie auch seinem Helden war es de Saint-Exupèry aus Selbstzweck zu handeln. Der Dienst am Menschen war ihm immer wichtig.

Und genau das stellt Sfar mit seiner Comic Adaption deutlich heraus. Die Zeichnungen wirken ein wenig kindlich naiv, was aber der Sichtweise des kleinen Prinzen angepasst ist und wohl auch der einzig denkbare Stil ist, um den kleinen Prinzen für die Neunte Kunst zu adaptieren.

Völlig zu recht deklariert Carlsen diesen Comic als Graphic Novel. Leider vermisst man als Leser ein Kurzportrait über Sfar, den der eine oder andere Sammler vielleicht von seiner Zusammenarbeit mit Lewis Trondheim bei Donjon kennt, oder gar Antoine de Saint-Exupèry.

Unabhängig hiervon habe ich nach dem Lesen des Comics nach langer Zeit mal wieder meine Taschenbuchausgabe vom kleinen Prinzen herausgesucht. Ein größeres Kompliment kann ich Joann Sfar kaum machen. 

Der kleine Prinz, Carlsen, 110 Seiten, HC, € 14,90

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