Bastian Vivès legt in der vorliegenden Story sehr viel Wert auf Atmosphäre und Stimmungen. So fühlt man als Leser mit dem Patienten, der sich zunächst in einer dunklen und trostlosen Nacht mit einem Freund zum Schwimmen verabredet. So leidet man als Leser fast schon mit den Patienten bei seinen ersten Schwimmversuchen. Chlor beißt in den Augen und das Wasser steigt ihm in die Nase. Auch mit der Kondition des Patienten wird es nur langsam und nach den ersten Trainingseinheiten mit der Schwimmerin besser. Parallel hierzu versteht er sich auch mit der Schwimmerin immer besser. Sehnsüchtig wartet er mittwochs, bis sie endlich das Schwimmbad betritt. Immer wieder wandert sein Blick zum Balkon, auf dem er sie immer zuerst sehen kann.
Ebenso beeindruckend ist die atmosphärische Dichte dieser Story, die Vivès mit nahezu lakonischen Dialogen und der zeichnerischen Gestaltung des Schwimmbades erreicht. Gerade dieses Schwimmbad wirkt so steril, dass man als Leser mit ins Schwimmbecken eintaucht und den Geschmack von Chlor auf der Zunge hat.
Vivès steht erst am Anfang seiner Karriere. Dennoch hat er schon zahlreiche Stories geschrieben und gezeichnet. Mittlerweile hat Reprodukt weitere Titel von Vivès wie „Das Gemetzel“ oder auch „Polina“ erfolgreich veröffentlicht. Die Entscheidung als deutsches Erstlingswerk, diese preisgekrönte Story zu veröffentlichen, war auf jeden Fall richtig.
Der Geschmack von Chlor, Reprodukt, 143 Seiten, SC, 18 €