Hölle, Blut und London

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City of Demons by Vertigo Comics

Es hätte ein ruhiger Abend werden können für John Constantine. Ein stilles Pint im Pub, ne volle Schachtel Zigaretten und ein kleiner Flirt mit der Barfrau. Der einzige Nachteil ist das man vor die Tür muss zum Rauchen. Kaum dort angekommen muss sich der in die Jahre gekommende Magier und Punk auch schon wieder mit der Welt herumschlagen. Zwei junge Ganger gehen ihn an und wollen nichts als sein hart erschlichenes Geld. Keine wirkliche Bedrohung für den Meister des Übernatürlichen und schon stehen beide mit ihren Messern im Mund da und rufen nach Mama. Da der Abend eh schon ruiniert ist begibt sich John auf den Heimweg und rennt mitten in einen Verkehrsunfall. Kaum das er die Ambulanz gerufen hat und sich den Verletzten kümmern will fällt ihm eine üble Sache auf. Er ist das Opfer und sieht sich zu!
All das geschieht auf den ersten paar Seiten des englischen Vertigo Tradepaperbacks City of Demons. Für jemanden der nie einen John Constantine gelesen hat und sich schon immer gefragt hat wie das wohl wäre, dem ist hier eine echte Chance gegeben. Die als Fünfteiler bei Vertigo erschienene Serie kann ohne jedes Vorwissen über die düsteren Abgründe von Johns Welt gelesen werden.  Si Spencers Weise Johns Welt zu schreiben und vor allem Sean Murphys Art sie zu zeichnen machen das Trade zu einem großartigen Lesevergnügen. Schnell wird klar, dass Johns Unfall und sein Verharren zwischen den Welten nur der Auftakt zu etwas viel Größerem ist. Wer noch nie einen Hellblazer gelesen hat, dem sei dieser hier ans Herz gelegt. Constantine macht süchtig!

Daytripper

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Daytripper

Auch wenn es nicht den Anschein hat, so sind Fábio Moon und Gabriel Bá Brüder. Zwillingsbrüder um genau zu sein. Wenn beide sich zusammen finden um Comics zu schreiben, findet gerne eine Idee die Andere und oft kommt etwas Gutes dabei heraus. Daytripper ist so etwas Gutes! Die als abgeschlossene Serie, bei Vertigo, erschienene Geschichte ist nun als englisches Paperback zu haben und regt zum Denken an. Was ist der wichtigste Tag in deinem Leben? Diese Frage beschäftigt den Protagonisten dieses Buches, Brás de Olivia Domingos. Die Geschichte führt uns durch Passagen seines Lebens, von Kindesbeinen über die Jugend, vom Erwachsenwerden bis hin zum Alter. Brás will Autor werden, spielt als Kind mit Freunden und reist, doch nicht in der Reihenfolge die man sich denken kann und schon gar nicht mit einem Ende das man erwartet. Es sei nicht zu viel erzählt, denn das würde vieles verderben. Man sollte jedoch erwähnen das die Brüder es schaffen jedem Tag und dessen Ende etwas unwiderrufliches zu geben. Man kommt beim Lesen ins Grübeln und fragt sich, spätestens nach den ersten drei Episoden, was nun für den Protagonisten wichtig ist. Was überhaupt wichtig ist.
Vielleicht ist das alles kein Grund einen Comic zu lesen doch es lohnt sich in jeden Fall. Man darf Jeff Smith (Bone, RASL) ruhig glauben wenn er sagt das es eine ehrliche Geschichte ist und vor allem das Fábio Moons’s Zeichnungen sexy sind. Weder die Story noch ihr Aussehen sind überzogen oder aufdringlich. Alles hat seine Berechtigung und seine Form. Jedem der einen intelligenten und schön gemachten Comic lesen will, sei Daytripper ans Herz gelegt. Er regt zum Denken an, sieht gut aus und ist seit längerer Zeit eine wirkliche herausragende Veröffentlichung aus dem Hause Vertigo.
Lesen!

Die ungeschriebene Geschichte

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THE UNWRITTEN TPB NR. 1

Was wäre wenn J. K Rowling sich von heute auf morgen verflüchtigt hätte und sie einen Sohn hätte der wirklich Harry hieße?  Harry Potter müsste mit der Presse umgehen, sich Fans vom Leib halten, wenn nicht noch schlimmeres. Ähnlich ergeht es auf gewisse Weise Tom „Tommy“ Taylor. Er ist der Sohn eines der größten Geschichtenerzähler seiner Zeit und trägt schwer am Ruhm seines Vaters,  der sich entschied von Heute auf Morgen seine Koffer zu packen und aus seinem Leben zu verschwinden. Tommy macht das Beste aus der Situation und zehrt vom Ruhme der Figur die sein Vater erschaffen hat. Viele Fans freuen sich darüber das „Tommy“  Taylor so sehr der Figur aus den Büchern seines Vaters entspricht, doch niemand scheint den echten Tommy gefragt zu haben. Tapfer sahnt er den Ruhm seines Vaters ein und erträgt widerstrebend die  Zuneigung seiner Fans. Sein Leben ändert sich als ihn der Graf aus den Romanen entführt und versucht ihn umzubringen. Der Versuch misslingt und nun glaubt die eine Hälfte der Welt, dass Tom Taylor wirklich der Tommy aus den Büchern ist. Die andere Hälfte behauptet das er nur ein Emporkömmling sei, der versucht vom Ruhm des Verschwundenen zu profitieren. All das wird nebensächlich als sich Tommy Taylor auf die Suche nach seiner Vergangenheit macht und feststellt, dass Geschichten mehr Macht und Bedeutung haben als ihm jemals klar war.
Wer jetzt noch nicht Interesse hat bei einer der interessantesten Vertigo Comics mitzulesen, dem sei gesagt das es sich nur um eine grobe Zusammenfassung der ersten knappen 25 Seiten handelt.  Autor Mike Carey, der durch Serien wie LUZIFER bekannt wurde scheint, zum großen Schlag auszuholen.  THE UNWRITTEN NR 1 ist die erste Sammlung der laufenden Serie und wirft bereits jetzt große Schatten voraus. Es ist ein Comic über die Macht der Erzählung und die Macht der Wörter.
Man stelle sich vor, dass Geschichten nicht bloß Erzählungen sind sondern das sie viel mehr durch den Glauben der Menschen oder denen des Autors Wirklichkeit werden können. All dies ist bereits im ersten Sammelband von THE UNWRITTEN zu erahnen und die Folgen liegen noch im Dunkeln.Jedem der sich gerne vorstellt das seine Fantasie wirklich Flügel bekommt, sei dieser Comic der sehr ans Herz gelegt.  Der Auftakt verspricht viel, es bleibt zu hoffen das  Mike Carey und Peter Gross halten können was sie versprechen. Das erste Paperback der Serie ist dennoch einen Blick wert, denn es wäre schade den Auftakt zu etwas eventuell Großem zu verpassen.
THE UNWRITTEN NR. 1, erschienen bei VERTIGO COMICS. Wer gute Geschichten mag und weiß was sie bewirken können sollte einen Blick riskieren.

Schirm, viel Charme und keine Melonen

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Umbrella Academy "Dallas"
Umbrella Academy „Dallas“

Das Genre des Superheldencomics ist sicherlich so alt wie die Geschichte der Comics selbst. Man kennt es doch. Ein oder mehrere Superhelden nutzen ihre übernatürlichen Fähigkeiten zum eigenen Wohle und zu dem der ganzen Welt, ja dem ganzer Universen. Es gibt die Schurken, die  Katastrophen und in der Mitte stehen die Helden und deren eigene „kleine“ Probleme. Nicht erst seit Alan Moores Watchmen wissen wir das die Welt solcher Helden zumeist nicht schwarz und weiß ist, sondern eher grau. Gerard Way und Gabriel Bá gehen noch weiter. Ihre Helden sind in grau gekleidet, doch ihre Welt ist so schreiend bunt und komplex wie man es sich kaum vorstellen kann.
Eine Familie von Superhelden, seit Kindesbeinen an zusammen und seit ihrem letzten Abenteuer schwer gezeichnet sucht ihren Weg. Einige sind tot, andere wissen nichts mehr und Teile des Teams sind einfach nur fett geworden. Doch über kurz oder lang, müssen sich alle wieder den Problemen stellen die sie umgeben als ein Teil ihrer Familie, der klein gebliebene aber alte Number Five, sich mit seinen ehemaligen Arbeitgebern herumschlagen muss. Zeitagenten denen er noch etwas schuldig ist. Man merkt spätestens an dem Punkt wo zwei zucker süchtige, folternde Psychopathen sich ihren Weg zu Number Five metzeln, dass dies hier keine reine Superheldengeschichte mehr ist. Es ist mehr Quentin Tarantino als Fantastic Four!
Gerard Way und Gabriel Bá haben es geschafft ihre eigene Welt zu erschaffen. Eine Welt die oft unglaublich wirr und bunt wirkt, ihre eigene Authentizität jedoch nie verliert. Es scheint als ob sie nie still steht, doch gerade deswegen möchte man kein Panel versäumen und das Buch nicht aus der Hand legen bevor man alles gesehen hat. Umbrella Academy „Dallas“ hat fast alles was man sich von einem Comic wünscht. Übernatürliche Charaktere, eine imposante Story, schnelle und fantastisch gezeichnete Bilder und einen Funken Menschlichkeit. Helden sind nun mal auch nur Menschen. Wer wissen will was das Ganze mit dem Mord an John F. Kennedy, dem Krieg in Vietnam und den vielen hochintelligenten Schimpansen zu tun hat, der wird nach dem Lesen dieses Comics hoffentlich begeistert oder zumindest erstaunt sein.  The Umbrella Acadamy TPB 2 „Dallas„, erschienen bei Dark Horse Comics.  Es lohnt sich!