Auftakt zu einer harten Western-Serie

Standard

Wanted 1

Wanted! Am besten mit dem Zusatz Dead or Alive! Welcher Western Fan kennt diesen Terminus nicht? So handelt Splitters neue Western Serie von einem knallharten Kopfgeldjäger, der Wanted genannt wird und sich im ersten Teil der sechsteiligen Serie zwischen dem Drang, seinem Beruf nachzugehen oder für Gerechtigkeit zu sorgen, entscheiden muss.

Gleich mit den ersten Panels wird klar, dass Wanted alles Andere als zart besaitet ist. Er  gibt einem gesuchten Verbrecher zwar die Chance, sich zu ergeben, aber schießt ihn dann doch relativ ungerührt nieder, weil dieser nicht sofort nachgibt. Anschließend rasiert er noch den Leichnam, damit man ihn besser erkennt und er so das Kopfgeld kassieren kann.

Auf seinem Weg in die Stadt findet Wanted einen Mann, der dem Tod näher ist als dem Leben. Seine indianische Familie wurde von Skalpjägern brutal ermordet, um mit den Skalps leichtes Geld zu verdienen.

Wanted kümmert sich um den Mann, der ihn um Hilfe bittet, sich zu rächen. Wanted muss sich entscheiden. 

Diese Serie ist durch die Hände einiger Verlage gegangen, ohne dass sie lizenziert wurde. Sie war diesen Verlagen zu brutal. Ja, diese Serie hat eindeutig ihre harten Momente, aber Gewalt wird von Rocca nicht eingesetzt, um Effekthascherei zu betreiben. Sie passt sich in die Handlung ein und ist sogar ein Bestandteil von ihr. Schließlich war der Wilde Westen kein Ponyhof.

Wanted selbst ist ein knallharter Kerl. Seinen wahren Namen erfährt der Leser zumindest im vorliegenden Band noch nicht. Ferner merkt man als Leser deutlich, dass er rein äußerlich schon ein wenig an Durango angelehnt ist. Kein Wunder, Girod hat auch diesen Western-Klassiker gezeichnet. Daher sieht auch Wanted ein wenig Clint Eastwood und Franco Nero ähnlich.

Die Handlung selbst verläuft keineswegs einlinig, sondern weiß mit der einen oder anderen überraschenden Wendung zu gefallen. Dabei nutzt Rocca die klassischen Versatzstücke des Westerns wie einen Sheriff, der zwar für Recht und Ordnung in seiner Stadt sorgen, aber sich dafür auch nicht wirklich verausgaben will, einen Salon mit einem Pokerspiel und einer attraktiven Bardame. Doch auch diese bekannten Elemente des Westerns setzt Rocca nicht klischeehaft, sondern baut sie geschickt in die Handlung ein.

Wanted selbst ist nicht der große Sympathieträger, wie man das vielleicht als Leser erwartet und von einem Blueberry, aber sein innerer Zwiespalt zwischen dem Willen, Geld zu verdienen, und die feigen Skalpjäger doch zu stellen, ist nachvollziehbar geschildert, so dass der Leser Wanted folgen kann. Und genau diesen Zwiespalt nutzt Rocca, um Wanted dem Leser näherzubringen.

Wanted selbst ist scheinbar eiskalt und als Leser glaubt man gern, dass in seinen Adern Blei und kein Blut fließt.

Wanted ist ein Muss für jeden Western Fan.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.