Typische Teenagerstory

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Christoph Bachmann ist ein typischer Teenager. Die Sommerferien mag er nicht genießen, weil er weiß, dass er die 10. Klasse wiederholen muss. Seine Eltern sind geschieden, und er lebt bei seiner Mutter. Doch beide leben mehr nebeneinander her als zusammen. Seine Mutter fragt zwar immer wieder, was er getan hat und wie sein Tag war, aber ihr Interesse ist oberflächlich. Sie erwartet weder eine Antwort noch fragt sie nach, wenn ihr Christoph nicht oder nur halbherzig antwortet.

Eher zufällig bei einem Botengang für seine Mutter lernt Christoph Miriam kennen. Er interessiert sich für das Mädchen und zum ersten Mal hellt sich seine Miene etwas auf.

Im Kontrast hierzu steht die Unterhaltung, die seine Mutter in der Reinigung führt und die schüchternen Avancen der dortigen Bedienung, die sie barsch zurückweist.

Im Laufe der Ferien lernt Christoph Miriam besser kennen und lieben. Dies erreicht seinen Höhepunkt, als seine Mutter über das Wochenende wegfährt und Christoph eine Nacht mit Miriam verbringen kann. Doch dann reißt der Kontakt zu Miriam, die Verwandte in Detmold besucht, ab. Immer wieder hört sich Christoph das Album Rumours von Fleetwood Mac an, das übrigens in keiner ernst zu nehmenden Sammlung fehlen darf. Diese Schallplatte hatte Miriam aufgelegt.

Der erste Schultag nach den Sommerferien verläuft katastrophal. Doch nach der Schule unterhalten sich Christoph und seine Mutter erneut.

Erst als seine Mutter etwas von ihren eigenen negativen Erfahrungen zu Beginn eines Schuljahres preisgibt, lächelt Christoph in Anwesenheit seiner Mutter erstmals. Er erkennt, dass sie bei allen Differenzen auch Gemeinsamkeiten haben. Natürlich will man sich als Kind gerade während der Pubertät von seinen Eltern abgrenzen. Dies lebt und durchlebt Christoph intensiv. Treffend erzählt und schildert Arne Bellstorf auch die typische Verschlossenheit eines Jungen in Christophs Alter. Da seine Mutter noch die Scheidung von ihrem Mann und damit auch Christophs Vater verarbeiten muss, ist auch sie verschlossen. Mit einer Freundin kann sie zumindest am Telefon offener kommunizieren als mit ihrem eigenen Sohn, was Christoph durchaus nicht entgeht. So steckt die vorliegende Handlung voller alltäglichere Absurditäten, von denen die Handlung auch vorwiegend lebt. Genau dies spiegelt das wahre Leben so zutreffend wider, dass Bellstorf seine Leser nicht nur mitnimmt, sondern ihnen auch schon mal den Atem raubt.

Bellstorf erzählt meist aus Christophs Sicht, ohne aber für ihn Partei zu ergreifen. Dabei schafft er durch den Kontrast, den er immer wieder zwischen den Handlungen Christophs und seiner Mutter setzt, eine hohe atmosphärische und erzählerische Dichte und zwar in jedem Panel.

Mich hat Christoph doch sehr an meine eigene Jugend erinnert und in mir noch einmal großen Respekt vor den eigenen Eltern erweckt, die mich in der Pubertät auch ertragen mussten.

Nicht umsonst hat Bellstorf mit dem vorliegenden Band, der als Erstlingswerk eine erstaunliche Reife aufweist und der als Abschlussarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg entstand, 2005 auf der Frankfurter Buchmesse einen Sondermann für den besten Newcomer gewonnen und in 2006 den ICOM.

Arne Bellstorf signiert Acht, Neun, Zehn und auch natürlich seinen neuen Comic Baby’s in Black am 08.10.2010 von 17:00-19:00 Uhr bei uns im T 3.

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