Apokatastasis

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Signal to Noise 

 Ein Regisseur erfährt bei einem Arztbesuch, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. In Ihm entsteht die Idee zu einem Film, den er nicht mehr drehen können wird. Dennoch beschließt er, das Drehbuch zu schreiben, das er kurz vor seinem Tod noch vollenden kann. 

Signal to Noise ist eigentlich ein Begriff aus der Physik und definiert das Verhältnis der Botschaft zu Hintergrundgeräuschen. Solche störende Hintergrundgeräusche kennt der eine oder andere vielleicht noch daher, wenn man ein altes Radio auf den gewünschten Sender einstellt. Je deutlicher das Signal ist, desto weniger störend ist folglich das Hintergrundgeräusch. Diese These findet auch im übertragenen Sinn Anwendung bei der Filterung von Informationen aus Daten. Gerade heutzutage sind wir von so vielen Geräuschen (Datenüberfluss) umgeben, dass es immer schwieriger wird, die eigentliche Botschaft, das Signal zu erkennen.

Auch in Gaimans vorliegender Graphic Novel, die zunächst als Fortsetzungsgeschichte 1989 im Magazin The Face erschienen ist, geht es darum eine Idee, die in der Phantasie des Autoren entstanden ist, so niederzuschreiben und folglich auch einem Publikum zu präsentieren, wie es der Autor auch tatsächlich beabsichtigt. Um dies zu realisieren, muss er alle Nebengeräusche ausblenden. Hierzu zählen seine besorgte Produzentin und seine Ärztin. Einen Kontrast hierzu bietet sein Nachbar, der ihm unbeabsichtigt hilft, eine Passage seines Drehbuchs besonders gut zu schreiben.

Im fortlaufenden Stadium seiner Krankheit zeigt der Regisseur, dass er die Hintergrundgeräusche immer besser ausblenden und so die Story noch vor seinem Tod zu Ende bringen kann. Zweifellos steht dies für die Unbeugsamkeit des menschlichen Geistes.

Die Story selbst bietet keine Unterhaltung im klassischen Sinne. Sie provoziert und ärgert seine Leser, aber Gaiman bietet auch nicht an einer einzigen Stelle einen Ausweg an und lässt so keinen Zweifel daran, dass sein Held auch wirklich einen bitteren Tod sterben wird.

Das Drehbuch selbst handelt von Dorfbewohnern, die am 31. Dezember 999 auf den Weltuntergang und nicht das Jahr 1000 warten. Als der sichergeglaubte Weltuntergang nicht eintritt, werden sie mit ihren Leben, mit ihren Alltagssorgen, Ängsten und Nöten zurückgelassen und müssen das tun, was Menschen immer tun – nämlich weitermachen und dies mal weniger gut, mal weniger schlecht.

Diese Story wird allerdings erst zu etwas Besonderem aufgrund des erstaunlichen Artworks von Dave McKean, das eine Mischung aus Bleistiftzeichnungen, Fotografie, Pinselzeichnungen und Computergrafik ist und auf beeindruckende Art und Weise die melancholische Botschaft von Verlust und Bedauern zum Leser transportiert. Zum Glück für den Leser hat Panini diese Story im Album Format veröffentlicht. Nur so kommt dieses phänomenale Artwork zur Geltung. Gaiman unterstreicht mit Signal to Noise, dass er der Poet unter den Comicautoren ist.

Für das Theater wurde Gaimans Graphic Novel 1999 adaptiert. Darüber hinaus wurde sie auch als Hörspiel umgesetzt. 

Signal to Noise, Panini Comics, 96 Seiten, HC, 19,95 €

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